Friedensuniversität – Was ist das?

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Der Dalai Lama befürwortet nun auch die Friedensuniversität

von Thomas Gandow
aus: Berliner Dialog 2/95  http://www.religio.de/dialog/295/295s30.html

Inhalt

  1. Namedropping als Erfolgsrezept
  2. Starke buddhistische Präsenz
  3. Konferenzerfahrene Mun-Mitarbeiter
  4. Heile Welt: Gregorios referiert mit Brück und Huth

Mit den Namen, Bildern und Unterschriften prominenter Zeitgenossen und aufwendig gemachten Prospekten wirbt derzeit die "Fördergemeinschaft zur Gründung einer Friedensuniversität (FGF) e.V." in Berlin und Umgebung für ihr Projekt einer "Universität". Die Kultusministerien in Berlin und Brandenburg stehen dem Projekt skeptisch bis ablehnend gegenüber.

Für die im September 1995 geplante "Sommeruniversität" liegen schon 700 Anmeldungen vor.

Namedropping als Erfolgsrezept

Kritiker sind sich nicht einig, ob es sich hier nur um eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme oder um den falschen Weg zu einem an sich guten Projekt handelt. Starkes Auftragen und namedropping scheinen sich dennoch zu rentieren: Während sich frühere Unterstützer wie der Präsident der Berliner Ärztekammer, Dr. Huber, und der Rektor der Wittener Universität, Schily, von der FGF distanziert haben, sollen nach Angaben des Initiators Uwe Morawetz aus Berlin-Schöneberg zahlreiche Prominente aus Politik, New AgeSzene und Showbusiness die Planungen jetzt doch unterstützen. Die aus der deutschen und internationalen New AgeSzene als Referenten aufgelisteten Prominenten reichen von Dr. Franz Alt und Dr. Rüdiger Dahlke über Prof. Arnold Graf Keyserling und Pir Vilayat Inayat Khan bis zu einer "Penny McLean" und Yehudi Menuhin.

Starke buddhistische Präsenz

Neben Medizinmännern und Schamanen wie Brant Secunda und Jabrane M. Sebnat und Yogis wie Yogi Bhajan finden sich heute vor allem zahlreiche Vertreter verschiedener buddhistischer Richtungen wie Ole Nydahl , Inka Jochum vom Dana e.V., Samdong Rinpoche und Geshe Thubten Ngawang auf der Rednerliste. An prominentester Stelle im Programm steht jedoch der Dalai Lama, der nicht nur auf tausenden von wild geklebten Plakaten in der ganzen Stadt für das umstrittene Projekt einsteht und das Zugpferd für die gesamte Veranstaltung sein soll.

Zusammen mit Luise Rinser und Uwe Morawetz hat der Dalai Lama für ein gemeinsames Buch ("Mitgefühl als Weg zum Frieden") das Thema "Ethik in Politik und Gesellschaft" in einer "insgesamt 12-stündigen Audienz" im August 1994 bei "vertiefenden Gesprächen" bearbeitet. Das "gemeinsame Buch" ist im Herbst 1995 als Bericht Luise Rinsers über ihre Gespräche mit dem Dalai Lama erschienen.

Der Dalai Lama wird auf Plakaten und im Werbemateral der Friedensuniversität mit zahlreichen Bildern herausgestellt, fast als sei er der Veranstalter. Hier eine Abbildung von S. 20 des Prospektes: Friedensuniversität, 1. September bis 1. Oktober 1995, Potsdam - Berlin, Festival und Sommeruniversität, Archiv BERLINER DIALOG

Konferenzerfahrene Mun-Mitarbeiter

Neuerdings sind auch drei profilierte Helfer und Mitarbeiter der Mun-Bewegung bei der Friedensuniversität hervorgetreten:

  1. Prof. Michael von Brück, München, der durch Plenumsleitung und Gebet z.B bei Muns "Assembly of the Worlds Religions" (AWR) und Muns "Council for the World's Religions" (CWR) gefällig war;

2.      der Metropolit von Delhi, Paulos Mar Gregorios (Paul Vergehse), laut FGF-Programm "Herausgeber mehrerer internationaler Zeitschriften". Zu ergänzen ist, daß er auch als Mitherausgeber bzw. Mitglied des Editorial Boards der Mun-Zeitung "Dialogue & Alliance" sowie als Patron des Mun-"Council for the World's Religions" (CWR), und auch als Assembly-Patron der Mun-"Assembly of the Worlds Religions" (AWR) tätig war. Er ist also kein "scharfer Kritiker der MunBewegung", wie Morawetz am 27. 7. 1995 gegenüber der Märkischen Allgemeinen Zeitung behauptet;

3.      schließlich Prof. Huston Smith, der "lediglich einmal an einer von Mun mitveranstalteten Podiumsdiskussion teilgenommen" (MAZ 27. 7. 1995) habe, in Wirklichkeit aber der Mun-Bewegung in vielfältigen Funktionen diente, z.B. als ChairPerson des Beirats der Mun-Jugendbeeinflussungs-Organisation "Youth Seminar on World Religions" (YSWR), dann als deren Beirat und als Berater auch der Mun-"GOD-Konferenz", auch als deren Chairman und als "Advisor" bei verschiedenen anderen Mun-Organisationen ("NERA", "AWR").

Heile Welt: Gregorios referiert mit Brück und Huth

Inzwischen kam es zur eindeutigen Distanzierung einer ganzen Reihe zunächst aufgeschlossener Prominenter von dem Projekt: wegen unbeantworteter Fragen nach dem Finanzgebaren; wegen fragwürdiger personeller Verbindungen und nicht zuletzt wegen harter antikirchlicher Ausfälle des Organisators im Vorfeld des Festivals. Um so mehr muß verwundern, daß das Festival nicht ohne kirchliche Begleitung ablaufen wird. Mit zwei "kirchlichen Beauftragten" als "Referenten" (!) ist die "Ev. Kirche von Hessen und Nassau" im offiziellen Programm vertreten. Der neu berufene Beauftragte der EKHN für Weltanschauungsfragen, Dr. Huth, 1992 hervorgetreten als Referent beim Kongress der militanten Vishwa Hindu Parishad (VHP) in Frankfurt, wird laut Programm mit von Brück, Mar Paulos Gregorios, Pir Vilayat Inayat Khan und Gabriele Krone-Schmalz am 8. 9. im "Zirkus Tempodrom" dozieren und diskutieren über "Heile Welt: Möglichkeit oder Illusion".

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